Die Inquisition hat die Menschen eingesperrt. Auch die Zwangspsychiatrie bedient sich dieses Mittels. In den Kerkern der Inquisition sind die Menschen gefoltert worden. Gleiches geschieht in den psychiatrischen Anstalten. Unterschiede bestehen lediglich in den Methoden. Die Inquisition pflegte die rohe Folter. Die Zwangspsychiatrie operierte früher mit Lobotomien, Sterilisationen, Elektroschocks, Zwangsjacken, Deckelbädern etc.. Heute werden die Eingesperrten gezwungen, als Medikamente getarnte heimtückische Nervengifte zu schlucken. Wenn sich jemand weigert, werden Aufgebote von bis zu einem Dutzend Pflegern zusammengetrommelt. Das Opfer wird gewaltsam gepackt und aufs Bett gefesselt. Alsbald werden ihm die Substanzen mittels einer Injektionsnadel in den Körper gepumpt.
Gemeinsam war und ist beiden Institutionen das sog. Geständnis. Die Opfer der Inquisition wurden hochnotpeinlichen Verhören unterworfen, bis sie gestanden, Ketzer zu sein. Die Opfer der Zwangspsychiatrie müssen gestehen, geisteskrank zu sein. Es findet eine eigentliche Gehirnwäsche statt. Meist schon bei der Einweisung, jedenfalls aber in der Anstalt wird ihnen von den Ärzten eröffnet, sie seien krank. Ihr spontaner Protest wird mit der Feststellung quittiert, sie seien krankheitsuneinsichtig. Die Krankheitsuneinsichtigkeit wiederum wird als wesentliches Merkmal einer Geisteskrankheit bewertet. Eine teuflische Falle. Den Opfern wird klargemacht, eine Entlassung komme erst in Frage, wenn sie einsehen würden, krank zu sein. Das zwingt sie, in wochen-, monate- und manchmal sogar jahrelangen Prozessen ihr ganzes Bewusstsein umzukrempeln und schliesslich das verlangte Geständnis abzulegen. Ein Lippenbekenntnis genügt keineswegs und wird von den Ärzten nicht akzeptiert. Um die Krankheitseinsicht zu fixieren, wird den Entlassenen häufig die Pflicht auferlegt, sich der Kontrolle eines Arztes zu unterziehen und weiterhin die »Medikamente« einzunehmen. Im Unterlassungsfall wird mit erneuter Einweisung in die Anstalt gedroht. Die Masse der Zwangspsychiatrisierten verwandelt sich so in läppische, verängstigte, scheue, devote, jedenfalls aber fürs ganze Leben gezeichnete Menschen. Nur wenigen gelingt es, standhaft zu bleiben, mit zum bösen Spiel gemachter guter Miene die Ärzte zu übertölpeln und sich durchzusetzen. Gross ist die Zahl derjenigen, welche die Prozeduren völlig brechen. Sie werden als »Chronische« abgebucht und verbringen praktisch das ganze Leben hinter den Mauern.
Abgeschafft ist – im Gegensatz zur Inquisition – der Scheiterhaufen. Allerdings gibt es bedeutend mehr Tote in den psychiatrischen Anstalten, als früher Ketzer verbrannt worden sind. Die Selbstmordrate in den Anstalten und nach solchen Aufenthalten ist bis zu 100-fach höher als bei der »Normal«-Bevölkerung. Die demütigenden Prozeduren – überfallsmässiger Abtransport in die Anstalt, im Falle des Widerstands mit Polizeigewalt und in Handschellen; die Zwangsmedikation, vorab das »Herunterspritzen« und die Drohungen damit; die Suspendierung praktisch sämtlicher Menschenrechte – lassen den Tod häufig als das kleinere übel erscheinen. Die Behandlungen mit den Nervengiften enden nicht selten tödlich. Die heimliche statt öffentliche Beseitigung von Menschen dürfte mit dem allgemeinen Stilwandel zusammenhängen, welchen die französische Revolution eingeleitet und die russische abgeschlossen hat: Die gekrönten Häupter, die sich bis dahin mit grossem Pomp zur Schau gestellt hatten, durften ungestraft einen Kopf kürzer gemacht werden. Das hat die gesamte Herrscherclique bewogen, in den Untergrund zu tauchen und von dort aus ihre Imperien – als Demokratien vermarktete Plutokratien – um die Welt zu spannen. Diskretion ist zu einem ihrer obersten Gebote geworden. Fanale wie öffentliches Verbrennen, Enthaupten oder Erhängen werden vermieden. Die heute bevorzugte Methode besteht darin, die das Herrschaftssystem störenden ‘Elemente’ in hermetisch abgeschotteten Massenanstalten aufzubewahren und die anfallenden Toten unauffällig zu entsorgen.
Inquisition und Zwangspsychiatrie kannten bzw. kennen beide die sog. Verdachtsstrafe. Sie bedeutet, dass es keiner Beweise, sondern des blossen Verdachts der Ketzerei bzw. der Geisteskrankheit bedurfte und bedarf, um die vorgesehenen Sanktionen auszulösen. Eine Denunziation rief die Organe der Inquisition auf den Plan. Heute genügt ein Anruf bei einem Psychiater, um einen lästigen Menschen loszuwerden.
Gemeinsam haben Inquisition und Zwangspsychiatrie die absolute Geheimhaltung. Die Folterknechte von damals mussten heilige Eide schwören, kein Sterbenswörtchen über die Vorgänge verlauten zu lassen. Das Anstaltspersonal hat mit Strafverfolgung rechnen, falls es Geheimnisse ausplaudert. Die Gerichtsverfahren waren und sind geheim.
Damals wie heute drohten bzw. drohen Verteidigern von Ketzern bzw. von Geisteskranken Berufsverbote.
Ketzer und Geisteskranke wurden bzw. werden mit den gleichen Euphemismen bedacht. »Wir wollen Dir ja nur zum rechten Glauben verhelfen und so Deine arme Seele vor dem Teufel und ewiger Verdammnis retten«, haben die Ketzer von den Inquisitoren zu hören bekommen. »Wir wollen für Dich im geschützten Rahmen einer Klinik sorgen und Dich gesund machen, damit Du wieder ein wohlfunktionierendes Mitglied unserer Gesellschaft werden kannst«, flöten die Ärzte den Geisteskranken ins Ohr.
Die Zwangspsychiatrie geht sogar noch einen Schritt weiter, als die Inquisition. Um die letzte Jahrhundertwende herum ist das Prinzip der Eugenik entwickelt worden. »Geisteskranke« dürfen sich nicht mehr fortpflanzen. Wer in einer Anstalt landet, kann faktisch keine Kinder zeugen. Die aufgezwungenen Gifte machen impotent. Psychiatrische Diagnosen stigmatisieren und behindern die Etikettierten massiv bei der Partnersuche.
Im Urteil der Zeit waren die Inquisitoren und ihre Auftraggeber hochgeachtete Persönlichkeiten. Das gleiche gilt von den Organen der Zwangspsychiatrie. Erst im Urteil der Geschichte ist die Inquisition als das infame Herrschaftsinstrument demaskiert worden, welches es gewesen ist. Noch ist die Zwangspsychiatrie Gegenwart. Ich bin indessen zuversichtlich, dass die Geschichte mit ihr gleich wie mit der Inquisition verfahren wird. Keine Epoche hat bis jetzt ewig gedauert. Noch jede ist früher oder später zusammengekracht. Wer das Knistern im Gebälk der Zwangspsychiatrie nicht hört, das Wackeln von Dach und Fundamenten der hiesigen und übrigen westlichen Plutokratien nicht sieht, ist taub und blind.
Inquisition und Zwangspsychiatrie
November 18th, 2008 by PsychoDeutschland in der Zwangsjacke?
October 31st, 2008 by PsychoSendedatum: Mittwoch, 20. Juli 2005
Die Zahl der Zwangseinweisungen in die Psychiatrie steigt in Deutschland drastisch – und dies, obwohl die ambulanten Behandlungsmethoden immer besser werden. W WIE WISSEN zeigt, wie schnell man in der geschlossenen Abteilung landen kann und fragt nach den Ursachen dieser Entwicklung.
Der Fall klingt unglaublich: eine Ärztin geht mit Ihrem psychisch kranken Sohn in eine psychiatrische Klinik. Dort bekommt sie aber keine Hilfe für ihren kranken Sohn, sondern landet stattdessen selber in der geschlossenen Psychiatrie – obwohl sie absolut gesund ist. Dabei hatte sie sich nur über die junge Aufnahmeärztin aufgeregt und nach dem Oberarzt verlangt.
"Dann kam der Oberarzt und hat sich dann aber auch irgendwie ganz merkwürdig benommen und sagte dann irgendwann zu meinem Sohn: die Mama – nein, die Mutti, behalten wir hier für 14 Tage und dem Sohn geben wir eine Fahrkarte und schicken ihn nach Hause", erzählt sie, "Und in dem Moment kamen dann Pfleger auf uns zugestürzt und haben uns festgehalten und dann wollte man uns Medikamente geben. Und ich sag: ich brauche keine Medikamente! Und dann hat man mir und meinem Sohn auch ganz hoch dosiert Haldol und Neurocil eingeflößt."
Das sind starke Psychopharmaka, die sie vollkommen außer Gefecht setzen. Mit der Fehldiagnose Manie kommt sie zwei Wochen lang in die geschlossene Psychiatrie, bevor ein Richter sie wieder freilässt.
Ihr Fall ist natürlich nicht typisch, sondern ein Extremfall. Aber er zeigt deutlich: Zwang wird mittlerweile sehr schnell und auch immer öfter angewandt.
Studie zeigt: Immer mehr Zwangseinweisungen
An der Uniklinik Göttingen wurde die Zahl der unfreiwilligen Zwangseinweisungen gerade untersucht. Die Ergebnisse von Prof. Peter Müller haben für großen Wirbel unter Deutschlands Psychiatern gesorgt. "In den letzten rund 10 Jahren haben unfreiwilligen Einweisungen sich verdoppelt", sagt der Psychiatrie-Professor, "Das ist deshalb erstaunlich, weil im Prinzip die Behandlungsmöglichkeiten in der Psychiatrie besser geworden sind. Man also eigentlich davon ausgehen müsste, dass die unfreiwilligen Einweisungen abnehmen und das Gegenteil ist der Fall."
Besonders häufig kommen alte, verwirrte Menschen gegen Ihren Willen in die Psychiatrie. Sie sind in den Kliniken und Heimen auch besonders oft von weiteren Zwangsmaßnahmen betroffen. So werden viele an ihr Bett fixiert, damit sie nicht stürzen und sich die Knochen brechen – so eine übliche Begründung. Und auch bei solchen Zwangsmaßnahmen gibt es in den letzten Jahren einen starken Anstieg.
Prof. Andreas Spengler, Psychiater und Direktor des Landeskrankenhaus Wunstorf: "Ich habe die Statistik angesehen, wie sich die Zahl der Fixierung und Bettgitter und dergleichen, die ja von den Vormundschaftsgerichten genehmigt werden müssen, aber erst seit 1992, entwickelt haben, und das ist ein steiler Anstieg. Und wir haben kaum Studien darüber, was dahinter steckt, ob hier, die vor allem bei alten, verwirrten Menschen, auch in Heimen und auch in Wohnungen vollzogenen Fixierungen und Bettgitter immer nötig waren."
Warum, wie oft und wie lange solche Zwangsmaßnahmen eingesetzt werden, das weiß niemand genau. Es wird in Deutschland weder systematisch erfasst, noch kontrolliert. Überhaupt sind die Zwangsmaßnahmen bisher erstaunlich wenig untersucht:
- Wann ist Zwang – aus therapeutischen Gründen – sinnvoll?
- Wann sollte fixiert werden?
- Wann sollten Medikamente zwangsweise verabreicht werden?
- Welche Risiken und Nebenwirkungen haben Zwangsmaßnahmen?
All das ist bisher kaum erforscht.
Zwangsmaßnahmen bekämen keine Zulassung
Prof. Tilman Steinert, Psychiater im Zentrum für Psychiatrie "Die Weissenau" in Ravensburg, untersucht gerade systematisch die Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie mit einer internationalen Arbeitsgruppe. Er bringt es auf den Punkt: "Wenn Zwangsmaßnahmen ein Medikament wären würden wir dafür wahrscheinlich gar keine Zulassung kriegen, unter anderem weil die ganzen erforderlichen Daten gar nicht vorliegen und weil die Wirkungsweise gar nicht ausreichend untersucht ist."
Trotzdem gehört Zwang zum Alltag in der Psychiatrie und auch Kritiker wissen natürlich: Ganz zu vermeiden sind Zwangsmaßnahmen nicht. Und manchmal muss auch eine Zwangseinweisung sein – schlicht aus Sicherheitsgründen. Aber eben nur manchmal und nicht so häufig wie zurzeit.
Denn unter dem Trend zum schnellen Wegsperren leiden die Patienten. Zum Beispiel Cem (Name geändert), der neun Monate lang wegen seiner Schizophrenie in der geschlossenen Psychiatrie war, obwohl eine ambulante Therapie möglich gewesen wäre, wie ein Gutachten gezeigt hat. Er war also vollkommen unnötig monatelang eingesperrt. Sein normales Leben wurde dadurch zerstört.
"Das existiert absolut gar nicht mehr, was vorher war," sagt er, "Also meine Freunde, oder in Anführungszeichen Freunde, mit denen man mal losgeht, sich mal unterhält, mal Party macht, sich in der Stadt mal sieht – ist nicht mehr. Also die Menschen, die ich vor meiner Einweisung halt, mit denen ich abgehangen habe und so, und der Umkreis in dem Zusammenhang – er existiert nicht mehr."
Ambulante Versorgung wird schlechter
Jetzt wird Cem in einer psychiatrischen Tagesstätte betreut. Solche ambulanten Betreuungen werden aber immer öfter eingespart. Die ambulante Versorgung psychisch Kranker wird schlechter und deshalb müssen die Patienten öfter stationär in die Klinik – auch gegen ihren Willen. Ein Grund für den Anstieg der Zwangseinweisungen.
"Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle", sagt Prof. Peter Müller, "Das Eine: eine Einschränkung in ambulanten Behandlungsmöglichkeiten durch Kostendämpfung. Zum Zweiten hat der Gesetzgeber die so genannten Zwangseinweisungen erleichtert, d. h. die Hürde, dass ein Arzt so etwas anstößt oder das Ordnungsamt das beschließt, ist geringer geworden."
Wie erschreckend niedrig diese Hürden sind, zeigt der Fall der Ärztin, die sogar eingewiesen wurde, obwohl sie gesund war. Dieser Extremfall zeigt drastisch wie dringend verbindliche Regeln gebraucht werden.
"Der Psychiatrie täten einheitliche, klare Leitlinien, die auch genug Handlungsspielraum lassen, individuell genug gehandhabt werden können, sehr gut", sagt Prof. Andreas Spengler. "Weil sie mehr Rechtsicherheit schaffen würden, für die praktische Anwendung und weil sie auch überzeugender der Justiz gegenüber klar legen würden, wann wenden wir, weil es nicht mehr anders geht wirklich Zwang an und wann tun wir es nicht."
Im Fall der Ärztin war die Zwangseinweisung ganz sicher nicht gerechtfertigt – dafür braucht es keine Leitlinien. Aber in den vielen schwierigen Grenzfällen könnten klare Leitlinien für alle mehr Sicherheit bringen.
(Autor: Patrick Hünerfeld)
Links
Deutsches Ärzteblatt: "Zwangseinweisungen nehmen zu"
Mit diesem Artikel im Deutschen Ärzteblatt hat Prof. Peter Müller die derzeitige Diskussion über die Zwangseinweisungen in Deutschland angeregt. Hier finden sich zahlreiche Hintergrundinformationen.
Zwangseinweisungen – bundesweite Basisdaten und Trends
Neue Vollerhebung zur Häufigkeit von Zwangseinweisungen. Prof. Andreas Spengler belegt darin gemeinsam mit Kollegen einen Anstieg der Zwangseinweisungen um 38 Prozent in 12 Jahren. Die Autoren kommen in der Diskussion dieser Ergebnisse zu dem Schluss, dass kein markanter Anstieg der Zwangseinweisungen in psychiatrische Kliniken eingetreten sei und kein Anlass zur Dramatisierung bestehe.
Projekt ERZ
Auf der Homepage "Arbeitskreis zur Prävention von Gewalt und Zwang in der Psychiatrie" finden sich einige Hintergründe zum Projekt "Erfassung und Reduzierung von Zwangsmaßnahmen in psychiatrischen Kliniken", in dem u.a. Prof. Tilman Steinert Zwangsmaßnahmen wissenschaftlich erforscht.
BASTA – Das Bündnis für psychisch erkrankte Menschen
Homepage der des weltweiten Programms "open the doors", dass sich gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung psychisch erkrankter Menschen richtet. Kontaktadressen und Informationen die mit vielen Vorurteilen gegenüber psychisch erkrankten Menschen aufräumen.
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 20.07.2005 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
Zwangseinweisungen
October 3rd, 2008 by PsychoZwangseinweisung
H.S.: Nachdem ihr 1996 zwei Weisheitszähne in der Zahn-, Mund- und Kieferklinik am Universitätsspital gezogen wurden verspürte sie Schmerzen im Nacken und liess sich im Triemlispital untersuchen, da sie glaubte, es könnte eine Nebenwirkung infolge der Medikamente bei der Operation sein. Nach einer äusserlichen Untersuchung wurde sie in die Psychiatrische Klinik Hard, Embrach eingewiesen.
1995 war sie per FFE für einen Monat in der Klinik Hard hospitalisiert wegen einem Selbstmordversuch aufgrund eines Streites mit ihrem damaligen Freund. Sie kam 4 Tage auf die geschlossene Abteilung, erhielt Haldol, was ihre Gesichtsmuskeln regelmässig stark verkrampften. Hat gegen diese Krämpfe zusätzliche Medikamente erhalten. Diese Medikamente wurden ihr aufgezwungen. Man drohte ihr, falls sie Haldol nach der Entlassung nicht weiter einnähme, würde sie wieder eingeliefert. Frau S. fühlte sich völlig erholt vom Selbstmordversuch und wünschte keine weitere Behandlung.
Frau S. hat bei dieser Einlieferung ihre Teilzeitarbeit verloren, da sie ihren Arbeitgeber nicht telefonisch informieren konnte, da sie direkt vom Spital in die Klinik überführt wurde und nichts mitnehmen konnte, nicht mal ihr Adressbuch.
Zwangseinweisung
M.L. Herr L. führte am 28. Sept. 01 mit Frau S von der Justiz-, Gemeinde- und Kirchen-direktion ein Gespräch. Es ging um ein Problem wegen der Kostenverteilung für eine neue Wohnung. Er erwartete Hilfe von Frau S. Als er einen Vergleich mit dem Attentat von Zug machte (was er jedoch nicht tun würde) fasste Frau S. dies als eine Bedrohung auf und informierte den Statthalter. Herr L. wurde daraufhin per FFE am 1.10.01 in die Klinik Münsingen eingeliefert.
Zwangseinweisung
M.W.: Herr W. wurde im Jahr 2000 wegen Schizophrenie, Paranoia, manisch-depressivem Zustand per FFE in die Psych. Klinik eingewiesen. Das in der Klinik verabreichte Medikament Haldol verursachte bei ihm Krämpfe gegen die Herr W. wiederum ein anderes Medikament erhielt. Herr W. fühlt sich viel schlechter nach der psychiatrischen Behandlung.
Zwangseinweisung, Drohung
J. St.: Herr St. kam in seiner Jugend mit dem Schutzaltergesetz in Konflikt. Per FFE wurde er von der Strafanstalt in die Psych. Klinik eingewiesen. Herr St. wurde mit Androkur behandelt, was den Sexualtrieb unterdrück. Er bekam auch Largactil-Spritzen, was ihn sehr müde machte. Herr St. war mehrere Jahre hospitalisiert. Ihm wurde gesagt, dass er niemals entlassen würde, wenn er sich nicht kastrieren lässt.
Zwangseinweisung; Invalidisierung
H.A.D.: Mehrere Einweisungen in die PUK per FFE in den Jahren 1983 bis 1996 wegen chronischer Schizophrenie mit akustischen und optischen Halluzinationen. Nach der Einweisung wurde er suizidal. Erhielt keine Therapie, keine Gespräche (die Ärzte hatten maximal 10 Minuten pro Tag Zeit), nur Medikamente wie Haldol (hochdosiert), Leponex, Temesta. Nebenwirkungen:
Herzrhythmusstörungen, schmerzhafte motorische Störungen, konnte nur mit Krämpfen im Hals die Medikamente schlucken, Übergewicht, wurde phlegmatisch, wurde zum Vollinvaliden gemacht.
Zwangseinweisung, Entzug der elterlichen Gewalt
J.G./A.B.: Frau G. und Herr B. haben zwei Kinder (5- und 8-jährig). Die Fürsorge und Vormundschaftskommission erhielt eine Gefährdungsmeldung von anonym betreffend den Kindern von Frau G. und Herr B. wegen Verwahrlosung, verfilzten Haaren, ungenügender Ernährung, Zuspätkommen in der Schule sowie Verdacht auf Drogenkonsum der Eltern. Der Arzt diagnostizierte bei den Eltern eine paranoide Psychose und wies sie per FFE am 31.10.97 in die Psych. Klinik ein. Die Kinder wurden bei einer anderen Familie untergebracht. Frau G. und Herr B. wurde die elterliche Gewalt entzogen. Rechtliches Gehör in Sachen Obhutsentzug am 3.11.97. Dem Rekurs für den FFE am 5.11.97 wurde stattgegeben und Frau G. und Herr B. wurden aus der Klinik entlassen. Am 10.11.97 konnten die beiden Kindern zurück zu den Eltern.
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung
S.H.: 1995 nach Anfall schnitt sie sich die Pulsader auf und wurde daraufhin in die Klinik Hard, Embrach eingewiesen. Zwangsbehandlung mit Lithium mit Nebenwirkungen wie nervöse Essens- und Verdauungsstörungen, nach 15 Monaten wurde sie entlassen (Frau S. leidet vermutlich an Epilepsie). Wiedereinweisung ca. 4 Monat später per FFE und Überweisung in die Klinik Breitenau.
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung
S.B.: Wurde bei einem Hutdiebstahl erwischt und zur Polizei gebracht, wo sie angeblich versuchte mit einer leeren Tube die Pulsadern zu ritzen. Wurde daraufhin in Psych. Klinik Liestal eingewiesen. Wurde in der Zeit von 1994 bis 1996 viermal per FFE wegen Psychose eingeliefert. Frau S. machte Rekurs gegen den FFE, welcher dann aufgehoben werden musste. Verweigerte Medikamente, wurde zwangsmedikamentiert. Ihre Arbeitsstelle wurde ihr gekündigt, nachdem der Arbeitgeber auf dem Arztzeugnis den Psychiatrie-Stempel gesehen hat.
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung
L.V.: Herr V. wurde im Jahr 2000 an Handschellen gefesselt von der Arbeit per FFE in die Psych. Klinik Königsfelden eingeliefert. Als Grund für den FFE wurden Angstzustände, Existenzangst, paranoide Schizophrenie und mögliche Selbstmordgefährdung angegeben. Herr V. wurde für vier Wochen eingesperrt und zwangsmedikamentiert. Er hat noch heute Angst vor diesen Leuten. Er musste sich bereit erklären für eine kontrollierte Medikamenteneinnahme nach dem Klinikaufenthalt, bei Nichteinhaltung würde er wieder hospitalisiert.
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung mit massiven Nebenwirkungen
J.B.: 2001 verhielt sich Herr B. aggressiv nachdem er von seiner Diagnose „Asperger Syndrom“ (Autismus-ähnlich) erfuhr. Er wurde per FFE mit der Polizei in die Psych. Klinik eingewiesen. Er musste eine Woche auf der geschlossenen Abteilung bleiben. Durch die Medikamentenabgabe (Haldol, Temesta, Risperdal), welche Herrn B aufgezwungen wurden kam es bei Herrn B zu Muskellähmungen im Gesicht, massiven Sehstörungen sowie Apathie.
Zwangsfixierung und Zwangsmedikamentierung
A.C.: Frau C. wurde 1992 nach einem Selbstmordversuch in die Psych. Klinik Mendrisio eingewiesen. Frau C. berichtet, dass sie mit unangemessener Härte und unfreundlich behandelt wurde. Sie wurde ans Bett gebunden und ihr wurden Medikamente gegen ihren Willen verabreicht.
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung, Zwangsfixierung
S.D.: War von 1990 bis 1995 in der Psych. Klinik St. Urban hospitalisiert. Wurde 1995 für 12 Monate entlassen. Am 16. April 1996 wurde er nach einem Suizidversuch gegen seinen Willen wieder eingewiesen. Herr S. wurde 8 mal gegen seinen Willen mit Ledergurten an das Bett gebunden, Medikamente wurden gegen seinen Willen gespritzt (Haldol, Clopixol, Nozinan, Melleril, Xanax (Alprazolam), Depotspritzen).
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung, Drohung und Körperverletzung
E.L.: 1999 wurde Frau L. von einem Arzt in die Klinik Samedan eingewiesen, weil er befürchtete, Frau L. würde Selbstmord begehen. Per FEE wurde Frau L. unfreiwillig in die Klinik Beverin überwiesen, wobei sie durch eine Spritze bewusstlos wurde. Frau L. war während zwei Tagen auf der geschlossenen Abteilung. Als sie die Medikamente verweigerte wurde sie über den Boden in ihr Zimmer geschleift und man verabreichte ihr ein Medikament, von dem sie zwei Tage nicht mehr richtig gehen konnte. Am darauffolgenden Tag war Frau L. so schlapp, dass sie ihren Kopf auf den Tisch legen musste und meinte, dass sie so nicht mehr leben möchte.
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung Gewaltanwendung
F.Z.: Frau Z. hatte 1999 Wutanfälle bis hin zum Nervenzusammenbruch, sie zerschlug Gegenstände in ihrer Wohnung. Ein beunruhigtes älteres Ehepaar (Nachbarn) wollten das nicht länger dulden und alarmierten die Polizei. Frau Z. wurde von dieser abgeholt und ins Schlössli per FFE eingeliefert. Der Arzt diagnostizierte einen akuten Erregungszustand, Blutmangel bei Eisenmangel, schizophrenieforme psychische Störung nach Cannabiskonsum. Während dem Klinikaufenthalt wurde Frau Z. mit Gewalt aufs Bett gedrückt. Sie erhielt mehrere Spritzen und Medikamente verabreicht.
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung, Gewaltanwendung
R.A.: Herr A. hatte Probleme mit dem Militär, dabei musste er viel organisieren und delegieren und war damit überfordert. Er konnte nicht abschalten und bekam Schlafstörungen. Herr A. suchte einen Psychiater auf, der nach 10 Minuten meinte, „Sie sind gestört“. Daraufhin wurde Herr A. wütend und wurde per FFE ins Burghölzli eingeliefert. Dort erhielt er unter Zwang Leponex und Lithium. Diese verursachten bei ihm starke Konzentrations-störungen und epileptische Anfälle. Herr A. wollte einen Brief an die Presse schreiben und wurde dabei von einem Pfleger erwischt. 4 oder 5 Pfleger kamen dazu, ein Oberpfleger würgte ihn von hinten, riss ihn zu Boden und versetzte ihm eine Spritze.
Zwangseinweisung, Zwangsmedikamentierung, Misshandlung
M.C.: 1995 ist er aus der Praxis seines Psychiaters davongelaufen. Wurde von der Polizei geholt und ins Gefängnis gebracht, anschliessend per FFE in die Klinik Hard in Embrach eingeliefert. Erhielt Psychopharmaka (Fluanxol, Nozinan), wurde misshandelt. War vorher gesund, nun geht es ihm sehr schlecht.
Medikamentenüberdosierung, Invalidisierung
B.G.: Frau B. fühlt sich betrogen von den Psychologen und Psychiatern. Psychiater erfände bei den Gutachten diverse Krankheiten. Er machte aus dem Patienten mit überdosierten Medikamenten Versuchobjekte. Als Experte profitiere er mit der Krankenkasse und bringe gesunde Menschen in die Invalidität. Sie selber sei in die Invalidität gedrückt worden, durch die Behandlung der Psychiater sowie mit stark überdosierten Medikamente (Orap forte 200 mg, Stilnox 10 mg, Seresta, Clopixol 200 mg). Ihr Psychiater will mit dem Sozialamt W. ihr IV-Geld verwalten!
Zwangsfixierung
F.G.: Herr G. hört Stimmen und wird seit sieben Jahren mit psychiatrischen Medikamenten behandelt. Er möchte diese Medikamente nicht. Herr G. war schon dreimal in der Klinik Herisau hospitalisiert und da sei er schon einmal eingeschlossen und gefesselt worden. Seine Mutter sagt, die sei passiert weil er einmal aus der Klinik abgehauen sei und danach randaliert hätte.
falsche medikamentöse Behandlung sowie das Versäumnis, das Medikament rechtzeitig abzusetzen
L.S.: Das KJPD diagnostizierte bei L. POS. Die Ärztin verschreibt ihm Ritalin, was nach einer einwöchigen Einnahme zu Hautausschlägen, Rötungen, Schlafstörungen und Erbrechen führte.
Sexuelle Belästigung
P.C.: Frau C. ging freiwillig zum Psychiater wegen psychischen Problemen. Sie erhoffte Hilfe zu erhalten. Sie arbeitet Teilzeit und bezieht eine IV-Rente. Frau C. fühlte sich von Anfang an von dieser Therapie beim Psychiater verwirrt. Sie war gegenüber dem Psychiater hilflos. Er hat sie oft beleidigt und hat ihr als Behandlung gegen ihre Depression Sex mit ihm angeboten (was sie aber ablehnte). Frau C. fühlt sich betrogen von seinen Arztrechnungen.
Suizid
P.D.: Herr D. berichtet über seine Mutter, welche Suizid begangen hat. Sie war seit 3 Jahren in psychiatrischer Behandlung wegen Suizidgefahr und Depressionen. Sie bekam deswegen viele Psychopharmaka. Sie war in dieser Zeit dreimal psychiatrisch hospitalisiert. Herr D. berichtet, dass ihm seine Mutter gesagt hat, falls sie nochmals in die Klinik Königsfelden gegen müsste, würde sie sich umbringen. Was dann auch geschah.
LSD-Therapie
P.M.: Herr M. kam 1985 in die Psych. Klinik Rosegg wegen Alkoholmissbrauch. Er kam in die Behandlung von Dr. S. Widmer. Herr M. musste bei den Sitzungen ein Medikament einnehmen, welches bei ihm Herzklopfen und Übelkeit verursachte. Bei der Gruppentherapie sei er nur am Boden gelegen während die anderen schrieen und weinten. Der Psychiater forderte ihn auf seine Frau mitzunehmen, wobei sie dieses Medikament auch hätte einnehmen müssen. Auf das ging die Frau von Herr M. nicht ein.
Vor Ostern 1989 wurde Herr M. wieder in die Klinik Rosegg eingewiesen. Ein Psychiatriepfleger (Cousin von Dr. S. Widmer) fragte Herr M., ob Dr. Widmer immer noch seine LSD-Trips mache.
Herr M. berichtet, dass sich sein geistiger wie auch körperlicher Zustand in den letzten 2 bis 3 Jahren verschlechtert habe. Sein Benehmen sei das eines 70-jährigen. Er sei passiv, schlafe viel und ist seit 2 Jahren impotent.
Sehr starke Nebenwirkungen der Psychopharmaka
D.K.: Herr K. litt nach beruflichen Demütigungen unter reaktiven Depressionen. Zwei Ärzte verschrieben ihm Insidon und Valium. Seine Schlafstörungen und Depressionen verstärkten sich. Herr K. litt unter neurochemischer Allergie durch die Psychopharmaka-Einnahme. Die Psychopharmaka verursachten bei Herrn K. u.a. einen Zusammenbruch des neurovegetativen Systems, schwere Herzfunktionsstörungen, eine schwere Herzneurose, was eine völlige Erwerbsunfähigkeit zur Folge hatte, schwere Konzentrationsstörungen, Erschöpfungszustände (er war halbtags bettlägerig), schwere Schlafstörungen sowie eine schwere Nervenkrise mit fast tödlichem Ausgang. Dies entstand vor allem nach der zweiten Dämmerkur und falscher Anwendung von Psychopharmaka.
Herr K. ging es besser nachdem er von sich aus Neuro-B, Weleda Aufbaukalk und zum Teil homöopathische Medikamente einnahm.
Herr K. machte eine Zivilklage gegen Dr. S. Rotach wegen falscher psychiatrischer Behandlung mit resultierender Vollinvalidität und Erwerbsunfähigkeit. Das Gericht akzeptierte den Schadenersatzanspruch an die Klinik nicht, da sie anscheinend keine Anhaltspunkte für begangene Kunstfehler finden konnten.
Schwere Medikamentennebenwirkungen
U.B.: Frau B litt unter starken Depressionen und suchte deshalb Dr. Kauf auf, um sich einer Psychotherapie zu unterziehen. Es half ihr aber nichts. Nach zwei Jahren landete sie in der Psych. Klinik Hohenegg. Sie hatte einen Hospitalisationsschock. Aus eigener Kraft und mit Hilfe ihres Anwaltes kam sie auf die offene Abteilung. Durch die Überdosierung von Haldol, Nozinan und Rohypnol litt sie an unerträglicher Müdigkeit, eingeschränktem Denkvermögen und motorischen Störungen. Frau B. leidet noch heute an den Folgen der psychiatrischen Behandlung sowie der Psychotherapie. 1985 gelangte Frau B. an die Gesundheitskommission und das Generalsekretariat der Schweiz. Ärztegesellschaft. Diese wollte keine Sorgfalts-pflichtverletzung feststellen.
Medikamentenabhängigkeit
S.I.: Kam wegen Depression 1994 für 2 Wochen ins Burghölzli. Bekam fünf verschiedene Medikamente (Xanax, Temesta u.a.). Statt Hilfe bei der Lösung Ihrer Probleme bekam sie Medikamente und wurde davon süchtig. Machte später Entzug in Paracelsusspital.
Multiple Persönlichkeitsstörung
September 1st, 2008 by PsychoDiagnose
Menschen
mit einer Multiplen Persönlichkeitsstörung verhalten sich so, als ob
mehrere Persönlichkeiten unter ihrer Schädeldecke hausten.
Der Wechsel zwischen den Persönlichkeiten erfolgt in der Regel
plötzlich, sprunghaft und wird daher in der englischsprachigen
Fachliteratur als “switch” bezeichnet.
Bei einer voll ausgeprägten Multiplen Persönlichkeitsstörung sind
die Alters füreinander amnestisch, d. h. Sie sind sich der Tatsache
nicht bewusst, dass sie Elemente eines multiplen Persönlichkeitssystems
sind. Jede dieser Alternativ-Persönlichkeiten (Alters) macht sich und
ihren Mitmenschen Glauben, sie sei die einzige.
Jeweils eine dieser Persönlichkeiten, die Front-Persönlichkeit
übernimmt die Kontrolle über den Körper, genauer, sie fühlt sich als
Besitzer des Körpers – es ist aber möglich, dass andere
Persönlichkeiten die Front-Persönlichkeit aus dem Unbewussten steuern,
was der Front-Persönlichkeit aber nicht bewusst wird. Sie hält die
Impulse aus dem Unbewussten vielmehr für ihren eigenen Willen.
Charakteristisch für die Multiple Persönlichkeitsstörungen sind
Amnesien. Die jeweilige Frontpersönlichkeit kennt die anderen
Persönlichkeiten nicht und weiß auch nichts von deren Taten. Außerdem
kann sie sich auch nicht erinnern, wie die Multiple
Persönlichkeitsstörung entstanden ist.
Im einem fortschreitenden Heilungsprozess ist es allerdings
möglich, dass mehrere Alters ko-bewusst werden, also voneinander wissen
und miteinander kommunizieren können. Dies bedeutet, dass sie sich auch
- zumindest teilweise – die Natur ihrer Störung erkannt haben. In
diesen Fällen beginnen die Betroffenen häufig auch, sich an die
Ursachen ihrer Störung zu erinnern.
Bevor der Heilungsprozess einsetzt, erinnern sich die Betroffenen
mitunter bruchstückhaft und blitzartig an die Ursachen der Störung.
Diese Erinnerungsfetzen sind jedoch höchstgradig verwirrend, quälend,
unzusammenhängend und muten wahnhaft an. Sie werden meist schnell
wieder verdrängt, auf keinen Fall aber gedanklich durchdrungen.
Ursachen
Im Gegensatz zu den meisten
psychischen Störungen sind die Ursachen der Multiplen
Persönlichkeitsstörung heute vollständig geklärt. Dies ist auch nicht
weiter erstaunlich, weil diese Störung absichtlich und planvoll
hervorgerufen wird. Sie ist also keinesfalls eine spontane Reaktion auf
überwältigende traumatische Erfahrungen, wie die meisten
psychiatrischen Lehrbücher immer noch behaupten, sofern sie die
Existenz der Multiplen Persönlichkeit nicht generell in Frage stellen.
Persönlichkeiten entstehen niemals spontan – multiple
Persönlichkeiten natürlich auch nicht. Eine Persönlichkeit entwickelt
sich durch die Interaktion mit bedeutsamen anderen Menschen – und hier
natürlich insbesondere mit der Mutter. Aber auch der Vater, andere
Familienmitglieder, Erzieher, Lehrer, Priester, Klassenkameraden,
Freunde und Bekannte tragen zur Persönlichkeitsbildung bei.
Bei Multiplen Persönlichkeiten wird der Erziehungsprozess so
gestaltet, dass von Anfang an nicht nur eine, sondern mehrere
Persönlichkeiten entstehen. Die Erziehung, die zu diesem Resultat
führt, ist eine brutale Dressur, die bereits in frühester Kindheit,
mitunter schon im Mutterleib beginnt.
Die Täter erzeugen durch Folter, Drogen, Hypnose, Sensorische
Deprivation, soziale Isolierung, Elektroschock, demütigende
Erziehungsmethoden und ausgefeilte Methoden der Verhaltensmodifikation
eine größere Zahl von Alters, denen sie bestimmte Aufgaben,
entsprechende Identitäten und Schlüsselreize zuordnen, mit denen sie
die Alters aktivieren und kontrollieren können.
Voraussetzungen für das Gelingen dieses Prozesses sind
- eine hohe, angeborene Hypnotisierbarkeit und Dissoziationsfähigkeit des Kindes
- eine überdurchschnittliche Intelligenz und ausgeprägte Phantasie-Begabung des Kindes
- Eltern, die bereit sind oder gezwungen werden können, sich an diesem Verbrechen zu beteiligen.
Therapie
Die Therapie dieser Störung ist überaus schwierig. Ein Grund dafür
besteht darin, dass diese Störung nach einem perfiden, wissenschaftlich
fundierten und von klugen Köpfen der Psycho-Zunft entwickelten Plan
absichtlich erzeugt wurde. Die Täter bauen in die Seelen ihrer Opfer
effektive Schutzmechanismen ein, um die Entdeckung und Heilung der
Störung und erst recht die Entlarvung der Täter zu verhindern.
Ein zweiter Grund ist darin zu sehen, dass eine Reihe wohlmeinender
Experten und anderer interessierter Kreise in einem beispiellosen
Propaganda-Feldzug Zweifel an der Diagnose und der Ehrbarkeit
einschlägig tätiger Therapeuten gesät haben. Es wird behauptet, die
Therapeuten hätten ihren Patienten aus Geldgier und anderen niedrigen
Motiven falsche Erinnerungen an angeblichen Missbrauch und satanische
Rituale nur suggeriert.
Der dritte Grund ist vermutlich der schlimmste von allen.
Feministische Therapeutinnen und andere Ideologen haben diese Störung
dankbar aufgegriffen, weil diese so wunderbar in ihr männerfeindliches
Weltbild passte. Diese Ideologen suchten und fanden Menschen, meist
Frauen mit einer Neigung, ihre innere Zerrissenheit gemäß den
wandelnden Moden der Psycho-Zunft zu inszenieren. Diese Menschen
konnten die ideologisch motivierten Helferinnen und Helfer – bewusst
oder unbewusst – so formen, dass sie sich schließlich aus schauerlich
missbrauchte Opfer ominöser satanistischer Kulte fühlten.
Die Therapie muss also zunächst feststellen, ob es sich um eine
echte Multiple Persönlichkeitsstörung handelt oder um eine modische
Selbstinszenierung unter freundlicher Anleitung der modebewussten
Psycho-Zunft. Bei einer echten Multiplen Persönlichkeitsstörung hat
eine Behandlung nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn das Opfer von den
Tätern, warum auch immer, fallen gelassen wurde. Falls das Interesse
der Täter weiterbesteht, ist das Problem mit therapeutischen Mitteln
nicht zu lösen.
Ebenso wenig wie bei anderen psychischen Störungen gibt es bei der
Multiplen Persönlichkeitsstörung die einzig wahre Methode. Wie bei
anderen Psychotherapien auch ist das methodische Vorgehen mit dem
Betroffenen oder in diesem Falle natürlich mit den Betroffenen auszuhandeln. Denn die Heilung einer psychischen Störung ist immer eine Selbstheilung.
Die Ziele der Therapie ergeben sich allerdings aus der Natur der Sache:
- Der Betroffene muss zuallererst lernen, mit
überwältigenden Gefühlen der Angst umzugehen. Die meist unbewusst
wirkende Angst (vor Folter und Tod) ist der Motor der Multiplen
Persönlichkeiten und auch der von den Tätern installierten
Schutzmechanismen. - Die amnestischen Barrieren müssen systematisch abgebaut werden.
- Das Opfer muss lernen, den Schmerz zu ertragen, der durch die
Tatsache hervorgerufen wird, dass eine Vielzahl von Familienmitgliedern
und anderen Personen des engeren persönlichen Umfelds an dem Verbrechen
mitgewirkt hat, zumindest aber davon wusste, es verschwiegen hat und an
seiner Vertuschung mitwirkte oder immer noch mitwirkt. - Die Betroffenen müssen lernen, die Tatsache zu ertragen, dass sie
niemals eine normale, integrale Identität entwickeln können, da deren
Grundlagen nur in einer sensiblen Phase während der frühen Kindheit
gelegt werden können. - Das Opfer muss lernen, dass es in dieser Welt niemals heimisch
werden kann, dass es sich aber dennoch, als flüchtiger Gast auf diesem
Planeten, seines Lebens in vollen Zügen erfreuen kann.
Literatur
Hans Ulrich Gresch: Unsichtbare Ketten. Sachbuch
Sebastian Seferlyn: Das Janus-System. Roman
Christinae F. Solwega: UFO-Entführung mit Gehirnwäsche. Roman
Psychiatrie und Faschismus
August 7th, 2008 by PsychoNotizen über den Psychiatrischen Faschismus
von Don Weitz, Toronto, Ontario
Fast
150 Jahre lang hat sich die Psychiatrie als eine medizinische
Wissenschaft verkleidet, und als einen Zweig der Medizin. Das ist sie
nicht, und sie war nie eine Wissenschaft oder eine Form der
Heilbehandlung. Die moderne Psychiatrie basiert auf unbewiesenen
empirischen Annahmen, medizinischen Vorurteilen und
pseudo-wissenschaftlichen Meinungen. Es gibt keine wissenschaftlich
gesicherten, unabhängig nachgewiesenen Fakten in der Psychiatrie.
Tatsächlich hat die Psychiatrie keine Gesetze oder nachprüfbare
Hypothesen und keine zusammenhängende und in sich schlüssige Theorie.
Es ist kaum zu übersehen, daß es der Psychiatrie an einem
wissenschaftlichen Beweis oder einem Beleg fehlt, der ihre von den
News-Medien nachgeplapperten Behauptungen von der Existenz “geistiger
Krankheiten” oder “Störungen” stützen würde.
Nach siebzig Jahren
psychiatrischer Praxis und Forschung gibt es immer noch keinen
diagnostischen Test für Schizophrenie oder irgendeine der anderen
dreihundert sogenannten geistigen Störungen, die in der aktuellen
Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
(DSM), aufgelistet sind. Es handelt sich dabei im Grunde um eine Liste
von klassifizierten moralischen Urteilen über angeblich unnormale
Verhaltensweisen, die die American Psychiatric Association
veröffentlicht hat und für die sie Propaganda macht. Das DSM ist die
offizielle Bibel der organisierten Psychiatrie. Das DSM ist das
Ebenbild des mittelalterlichen Malleus Maleficarum, das spanische
Inquisitoren benutzten, um Hexen und Ketzer zu identifizieren, zur
Zielscheibe zu machen, zu stigmatisieren und zu verbrennen. Die Hexen
und Ketzer und Sündenböcke unserer Tage werden mit dem Etikett
geisteskrank oder schizophren versehen.
Die klinische
Psychiatrie kümmert sich in erster Linie um die Kontrolle des
Verhaltens ihrer Insassen mit Hilfe von änderungsprogrammen, die hohe
Risiken bergen, biologischen “Behandlungen”, körperliche und
mechanische Fesselung, geschlossene Türen und Stationen, und
Absonderungs- / Isolier-Räume, haben immer einige faschistische
Elemente sichtbar werden lassen. Ich möchte drei davon besonders
hervorheben:
Angst, Gewalt und Irreführung.
Dies sind die
üblichen Prinzipien und Strategien, um Bürger und Bevölkerungsgruppen
zu kontrollieren, die in den Augen von Staatsführern, anderen
Autoritäten und der sogenannten Fachleute für geistige Gesundheit, als
dissident, problematisch oder schwierig zu kontrollieren beurteilt
werden. Die Klinische Psychiatrie ist dem Gefängnissystem sehr ähnlich.
Im Gefängnis oder im System zur Verhaltenskorrektur wurden Psychiater
als Beratungspersonen eingesetzt, um gefährliche, unethische
Verhaltensänderungsprogramme zu entwerfen und um an den Häftlingen
hochriskante Medikamentenversuche durchzuführen. Sowohl das
psychiatrische System als auch das Gefängnissystem benutzen
systematisch Angst, Gewalt und Irreführung zum Zwecke der sozialen
Kontrolle und zur Bestrafung – nicht zu Zwecken der Behandlung oder
Rehabilitation, was beides ein Euphemismus (Schönfärberei) ist. So gut
wie alle Behandlungen in psychiatrischen Einrichtungen werden erzwungen
oder sie werden ohne die erforderliche informierte Einwilligung
durchgeführt. Sie werden gegen den Willen des “Patienten” (des
Gefangenen) durchgeführt, oder mit einem Einverständnis, das dadurch
erreicht wird, daß dem “Patienten” mit negativen Konsequenzen gedroht
wird, oder mit einem Einverständnis, wo dem “Patienten” wichtige
Informationen über ernste Risiken und über Alternativen vorenthalten
wurden. Informierte Einwilligung in der Psychiatrie ist eine grausame
Farce. Es gibt sie nicht.
Angst/Terror – “Terror hat große
Wirkung auf den Körper durch das Medium des Geistes und sollte
angewendet werden, um die Verrücktheit zu heilen. Angst in Begleitung
von Schmerzen und einem Gefühl von Scham hat manchmal die Krankheit
geheilt”. Das wurde vor fast 2 Jahrhunderten, im Jahr 1818 von Dr.
Benjamin Rush geschrieben, dem Vater der amerikanischen Psychiatrie,
und dem ersten Präsidenten der APA, dessen Gesicht immer noch auf dem
offiziellen Siegel der Americam Psychiatric Association erscheint. Dr.
Rush befürwortete und praktizierte Terror, indem er die Zwangsjacke
erfand und anwendete, ebenso wie den Beruhigungsstuhl und “Todesangst”
bei zahlreichen Insassen von Irrenanstalten des 19.Jahrhunderts.
Schließlich hat Rush seinen Sohn in einer Irrenanstalt eingeschlossen -
was für ein Vater!
Angst ist ein mächtiges Erziehungsmittel, um
Anpassung und Gehorsam zu erzwingen, um die Leute dazu zu bringen, daß
sie sich Autoritäten unterwerfen. In der Geschichte war das Auslösen
und Manipulieren mit Angst oder verstecktem Terror stets eine
Schlüssel-Strategie und -Praxis aller faschistischen Regime, in Italien
unter Mussolini ebenso wie in Nazi-Deutschland unter Hitler, der
Sowjetunion unter Stalin – faktisch in jeder Diktatur. Die Androhung
von Strafe, Folter und die Drohung, man werde getötet, reicht aus, um
Angst, Schrecken und Panik in den meisten von uns auszulösen. Wir tun,
was man uns sagt, andernfalls.
Die in der Psychiatrie
angewandeten Formen von Angst und Terror sind spezieller, aber sie sind
weitverbreitet und effektiv. Die Institution Psychiatrie nimmt häufig
Zuflucht zu erpresserischen Mitteln, um den sehr “unkontrollierbaren”
und schwierigen Patienten, also den Patienten mit geringer
“Compliance”, unter Kontrolle zu bekommen. Psychiater und andere
Therapeuten drohen ihren Patienten mit verlängerter Haftdauer, höheren
Dosen der zwangsverabreichten Neuroleptika oder “Antidepressiva”,
und/oder mit der gefürchteten Verlegung in noch schlimmere
Hochsicherheitsabteilungen, falls diese nicht tun, was man von ihnen
verlangt, wenn sie ihre “Medikamente” nicht nehmen, wenn sie sich nicht
an die Anstaltsregeln halten, oder wenn sie ihre Wärter (Pfleger) in
anderer Weise ärgern.
Auch die Bedrohung von Patienten mit
körperlicher Fesselung oder Einzelhaft ist außerordentlich effektiv, um
Angst oder Panik bei den Patienten auszulösen. In so gut wie jeder
psychiatrischen Station oder Abteilung gibt es einen Ort, den man
euphemistisch den “Ruheraum” nennt, einen kargen, verbotenen,
Zellen-ähnlichen Raum, mit einer Matratze oder Waschbecken, gewöhnlich
gibt es keine Toilette und keine Bettdecke. Während sie im Ruheraum
dahinsiechen, sind die Patienten oft noch zusätzlich gefesselt mit
Ledermanschetten, Zweipunkt- und Vierpunkt-Fesseln, stramm um ihre
Handgelenke und/oder Fußgelenke gespannt, so daß sie sich kaum bewegen
können, so liegen sie da mehrere Stunden lang. Die pure Androhung von
Freiheitsentzug, unfreiwilliger Inhaftierung oder daß man in einer
psychiatrischen Station oder Anstalt gegen seinen Willen eingeschlossen
wird, ohne ein Gerichtsverfahren oder eine öffentliche Anhörung,
genügt, um die meisten von uns Furcht und Schrecken einzujagen. In so
gut wie jeder Provinz und Gegend von Kanada sind dies die
hauptsächlichen Kriterien oder Gründe, um in einer psychiatrischen
Anstalt eingeschlossen oder inhaftiert zu werden: die Ansicht, jemand
hätte eine geistige Krankheit oder Störung, die Ansicht, daß man
befürchten müsse, daß jemand sich selbst oder eine andere Person
schädigen könnte, die Ansicht, daß jemand nicht in der Lage sei, für
sich selbst zu sorgen. Beachten Sie, daß es sich bei diesen Kriterien
um subjektive moralische Urteile über ein unangepasstes Verhalten
handelt, nicht um medizinische oder wissenschaftliche Fakten. Trotz der
Tatsache, daß geistige Krankheit oder geistige Störung, welche in
meinen Augen eine Metapher sind für unangepasstes Verhalten, das noch
niemals offiziell als medizinische Krankheit oder Leiden klassifiziert
worden ist, haben nur Mediziner die gesetzliche Erlaubnis, solche
nicht-medizinischen und schicksalsbestimmenden Urteile zu fällen.
In
Ontario kann jeder Arzt ein Einlieferungsformular ausstellen, das eine
Person dazu zwingt, für die ersten 72 Stunden zu überwachungs- und
Bewertungszwecken in einer psychiatrischen Anstalt eingeschlossen zu
werden. Zwei weitere ärzte können ein Formular ausstellen, das dazu
berechtigt, die Person weitere 2-4 Wochen gefangenzuhalten. Während der
letzten Jahre wurden von den Tausenden von Menschen, die in den 9
psychiatrischen Kliniken behandelt wurden, ca. 50% gegen ihren Willen
zwangsbehandelt.
Die Androhung oder die Tatsache, seine Freiheit
zu verlieren und in einer psychiatrischen Anstalt für Tage oder Monate
eingeschlossen zu werden, ist furchterregend. Der minimale oder völlig
fehlende Rechtsbeistand, der gegenwärtig in Ontario existiert, macht
das Recht auf Berufung oder Protest zur Farce, und das führt zu einer
noch verzweifelteren Furcht und Verzweiflung der Leute. Allein schon
die Drohung einer erzwungenen psychiatrischen Behandlung kann, ebenso
wie die Behandlung selber, entsetzlich sein – z.B. Elektroschock, auch
als Elektrokonvulsions-Therapie (EKT) bezeichnet, von
Schock-überlebenden und -Kritikern wie Leonard Frank treffender
Elektrokonvulsions-Gehirnwäsche genannt. Mein guter Freund Mel hat mir
erzählt, wie er mit diversen Hilfsmitteln durch den Gang zum Schockraum
der Klinik geschleift wurde. Ich kann mir seine Panik vorstellen und
die Panik der anderen, denen das selbe Schicksal zuteil wurde. Ein
ähnlich schreckliches Erlebnis hatte ich, als ich zwangsweise über 50
Subkoma Insulinschocks in den 1959ern erhielt. Zum großen Erstaunen
vieler Leute existieren diese barbarischen gehirnschädigenden und die
Erinnerung zerstörenden Behandlungsformen nicht nur, sondern sie werden
heute in Kanada und den U.S.A. vermehrt angewendet. Hauptsächlich
werden sie bei Frauen und bei älteren Leuten angewandt, insbesondere
bei älteren Frauen.
Dann gibt es da noch die Drohung mit
Psychopharmaka, die man euphemistisch “Medikamente” nennt. Diese
Chemikalien wie Tranquilizer, Antidepressiva und die Antipsychotika wie
Haldol, Modicate, Thorazin, und der sogenannte Mood Modifier Lithium
sind keine natürlichen Substanzen, sondern sie sind künstlich
hergestellte Gifte. Der Psychiater und Psychiatrie-Kritiker Peter
Breggin nennt sie in verschiedenen seiner Bücher Neurotoxine
(Nervengifte), ebenso Joseph Glenmullen, ein klinischer Ausbilder in
Psychiatrie an der Harvard Medical School in seinem Buch Prozac
Backlash. Diese Chemikalien haben keinen wissenschaftlich bewiesenen
medizinischen Wert oder Nutzen. Ihre Wirkung besteht darin, daß sie
jegliche Art problematischen oder störenden Verhaltens, Stimmungslagen
und Gefühle unterdrücken. Diese Gifte, insbesondere Neuroleptika wie
Haldol, Modicate, Chlorpromazin, wirken sich so hemmend, mächtig und
furchterregend aus, daß viele Psychiatrie-überlebende und andere
Kritiker sie als chemische Lobotomie oder chemische Zwangsjacke
bezeichnen. Diese Medikamente haben viele ernste und schädigende
Effekte, Nebenwirkungen genannt, um zu verniedlichen, wie sie sich
tatsächlich äußern, sei es in Zittern, unkontrollierbaren
Schüttelbewegungen oder Bewegung der Hände oder anderer Körperteile
(wie sie auch bei neurologischen Störungen wie Parkinsonismus oder
tardiver Dyskinesie vorkommen), starke Muskelkrämpfe, verschwommenes
Sehen, rastloses Hin- und Hergehen, Alpträume, plötzliche Wutanfälle,
Aufgeregtheit, Gedächtnisverlust, Schwächeanfälle,
Blutbildveränderungen, Schlaganfälle und plötzlicher Tod. Diese
sogenannten Nebenwirkungen sind die erwünschten Wirkungen der
Medikamente. Diese Furcht vor psychiatrischen Medikamenten wird noch
verschlimmert durch Ignoranz und Unsicherheit, da die Psychiater und
andere ärzte ihrer Pflicht nicht nachkommen, die Patienten über die
schrecklichen Medikamentenwirkungen zu informieren.
Ohne die
Anwendung oder Androhung von Gewalt könnte Faschismus nicht existieren.
Machiavelli, Mussolini und Hitler wußten das. Alle Diktatoren,
Möchtegern-Diktatoren und Tyrannen sind sich dieser grundlegenden
Tatsache bewußt. Dasselbe gilt für die Psychiatrie. Ohne die Anwendung
und Androhung von Gewalt könnte die Institution Psychiatrie nicht
überleben. Eine Menge von Psychiatern stünden ohne Job da. Ich
wünschte, dies würde geschehen! Die Psychiatrie erhält ihre Autorität
und Macht zum Zwang, zur Gefangenhaltung, zu unfreiwilliger
Verpflichtung und Zwangsbehandlung vom Staat.
Die Gesetzgebung
der Psychiatrie gibt den Psychiatern und anderen ärzten die Macht, jede
Person zwangseinzuweisen, von der sie “glauben”, und dies nach einer
Untersuchung, die nur wenige Minuten dauert, daß sie gefährlich für
sich selbst oder für andere sein könnte. Das ist problematisch. Der
Mental Health Act geht fälschlich davon aus, daß ärzte gefährliches und
gewalttätiges Verhalten vorhersehen können. Das können sie natürlich
nicht. Wir legen Wert darauf, noch einmal hervorzuheben, daß der Mental
Health Act von Ontario, wie andere mental health acts in ganz Kanada
und den U.S.A, die Anwendung von Gewalt zum Zwecke der Festnahme oder
Gefangennahme von Menschen für Tage, Wochen oder Monate rechtlich
sanktioniert. Unglücklicherweise gab es nie einen öffentlichen
Aufschrei oder Protest angesichts der Tatsache, daß Leute, von denen
man annimmt oder denen unterstellt wird, sie seien verrückt oder
gefährlich, die aber keinerlei Gesetzeswidrigkeit begangen haben, daß
solche Leute trotz allem eingesperrt werden dürfen, ohne eine
Gerichtsverhandlung und ohne die Rechte, die sogar Mördern und
Vergewaltigern zugestanden werden. Das ist Präventiv-Arrest, etwas, was
in Kanada und in anderen sogenannten demokratischen Staaten illegal
ist. Allerdings ist es legal und gängige Praxis in allen Polizeistaaten
und totalitären Ländern.
Es gibt jetzt den unwiderlegbaren,
dokumentierten Nachweis, daß es die deutschen Psychiater waren,
insbesondere prominente Psychiatrie-Professoren und Leiter von
Psychiatrie-Fakultäten, die hauptverantwortlich waren für die
Einleitung und Durchführung des T4 Programms, für den Massenmord von
über 200.000 Psychiatriepatienten und Tausenden von kranken und
behinderten Kindern und Erwachsenen während des Holocaust. Die Begriffe
Euthanasie und Gnadentod als Umschreibung des mörderischen Programms
ist ein grausiger Euphemismus.
Vieles der biologischen
Psychiatrie, die in weiten Teilen auf unbewiesenen Annahmen über die
biologischen und genetischen Ursachen der Schizophrenie und anderer
geistiger Störungen basiert, kann auf den in Nazi-Deutschland tätigen,
rassistischen und Eugenik-begeisterten Psychiater Ernst Rudin
zurückgeführt werden. Dieser propagierte den Mythos, daß Schizophrenie
eine erbliche Krankheit sei. Er wird, zusammen mit Hunderten anderer
Psychiater des T4-Programms des Massenmords an Psychiatriepatienten,
immer noch in einigen Artikeln in psychiatrischen Fachjournalen
zitiert, wie der Forscher und Aktivist Lenny Lapon in seinem
brillianten Buch Mass Murderers in White Coats: Psychiatric Genocide in
Nazi Germany [Massenmörder in weißen Kitteln: psychiatrischer Genozid
in Nazi-Deutschland] nachweist. Er stellt fest, daß verschiedene
deutsche Psychiater der Nazi-ära in die U.S.A. und nach Kanada
emigriert sind, und daß es ihnen gelungen ist, viele seiner Kollegen
mit seinen biologischen, genetischen und rassistischen Theorien der
geistigen Krankheit zu indoktrinieren. Heinz Layman, der im Jahr 1937
nach Kanada emigrierte, ist hauptverantwortlich für die Einführung von
Thorazin oder Chlorpromazin, und er propagierte die Anwendung von
Psychopharmaka in Kanada.
Wir haben heute eine Epidemie von
Gehirnschäden, die durch Psychopharmaka verursacht sind, zum Teil dank
Layman und all den anderen ärzten, die er unterrichtete. In einem
Zeitschriftenartikel von 1954 gab Layman zu, daß Thorazin ein
“pharmakologischer Ersatz für die Lobotomie” sei. Trotz dem
öffentlichen Eingeständnis dieser alarmierenden Tatsache sah Layman
keinen Hinderungsgrund, es auch weiterhin bei vielen “schizophrenen”
Patienten im Douglas Hospital in Montreal anzuwenden. Layman hat auch
Ewen Cameron dazu gebracht, Chlorpromazin und viele andere
Psychopharmaka und massive Anwendungen von Elektroschocks zu
verabreichen. Chlorpromazin, zur damaligen Zeit als experimentelle
Droge angesehen, wurde während Cameron’s infamen
Gehirnwäsche-Experimenten am Allan Memorial Institute in den 1950ern
und 1960ern in großem Stil an viele Patienten verabreicht.
Es
gab damals keine informierte Einwilligung, genau wie es heute keine
gibt. Während der Nazi-Jahre suchten die ärzte keine Einwilligung.
Gemäß der Nazi-Ideologie handelte es sich um “nutzlose Esser”,
“Untermenschen”. Das ist eine Denkweise, die noch immer die biologische
Psychiatrie überall in Nordamerika beherrscht. Ein anderes Erbe der
Psychiatrie von Nazi-Deutschland ist die weitverbreitete Akzeptanz und
Rechtfertigung von entwürdigenden Maßnahmen, um den Willen von
unwilligen oder rebellischen Patienten zu brechen. Körperliche oder
mechanische Fesseln wie z.B. Gurte, Seile, Gürtel, Handschellen und
Einzelarrest werden in psychiatrischen Anstalten nicht zum Zweck der
Behandlung oder des Schutzes eingesetzt, sondern um Leute für
unangepaßtes oder rebellisches Verhalten zu bestrafen. Es ist diese
nackte Demonstration von Gewalt und Bedrohung, die das Klinikpersonal
gegen Patienten anwendet, die so sehr an die grausame Brutalität des
deutschen Psychiatrie-Personals während des Holocaust erinnert.
Irreführung:
Viele der Etiketten und Diagnosen, die von Psychiatern benutzt werden,
haben keinen Bezug zu realen psychiatrischen Problemen oder zu
tatsächlich vorhandenen Krankheiten. Es gibt eine Geheimsprache, die
heutzutage in der biologischen Psychiatrie verwendet wird. So helfen
z.B. Anti-Depressiva den Leuten nicht dabei, Depressionen zu überwinden
oder an die Ursache der Depression zu gelangen. Die Bezeichnung
“Ruheraum” ist ein hinterhältiger Code für Einzelarrest. Das Wort
“Medikament” ist ebenso ein irreführender Euphemismus und eine
unrichtige Bezeichnung für giftige Substanzen, denen viele von uns
ausgesetzt wurden.
Ich habe versucht zu zeigen, daß die
institutionelle Zwangspsychiatrie eine faschistische Geschichte hat,
und daß die biologische Psychiatrie, wie sie heute in psychiatrischen
Anstalten in Kanada und den U.S.A. praktiziert wird, noch immer auf
Angst, Gewalt und Irreführung basiert. Die Psychiatrie verdient nicht
die Unterstützung durch die Gesellschaft oder den Staat. Wir müssen
darauf hinarbeiten, daß die Psychiatrie abgeschafft wird. Wir müssen
weiterhin daran arbeiten, Selbsthilfegruppen zu gründen, mehr
Beratungsstellen und mehr erschwingliche, unterstützende Unterkünfte in
unseren Kommunen. Wir müssen unsere eigenen Alternativen zu dem
monströsen und unheilvollen Mental Health-System schaffen. Indem wir
das tun, werden wir unsere Kraft und unsere Rechte zurückerlangen. Das
ist unsere Arbeit, unsere Herausforderung und unsere Hoffnung.
Copyright 2001 by Don Weitz – used by permission
DER
AUTOR Don Weitz ist ein Psychiatrie-überlebender und
antipsychiatrischer Aktivist, er engagiert sich seit 24 Jahren im
Psychiatric Survivor Liberation Mouvement.
Psychische Krankheit – ein Phantom
August 4th, 2008 by PsychoWie kann es so weit kommen, dass ein menschliches Wesen mit
Ledermanschetten an einen Tisch geschnallt wird und diese Qual und Demütigung
stundenlang ertragen muss? Welches Gesetz kann das jemals rechtfertigen? Wo
gibt es in unserem hochgeschätzten System von bürgerlichen Rechten und
Freiheiten etwas, das einen solchen Vorgang zulassen würde? Wie ist es möglich,
dass Menschen durch ein Unterbringungsverfahren all ihre Rechte verlieren?
Wieso werden sie durch Gerichtsverfahren unter Psychopharmaka gesetzt, wo für
sie doch alles auf dem Spiel steht, sogar ihre Freiheit? Die Gesetzgebung hat
kläglich versagt, Anwälte verraten ihre Klienten. Es sind
PflichtverteidigerInnen; sie arbeiten – zumindest in den USA – für einen
Hungerlohn, kennen ihre KlientInnen nicht und geleiten sie durch
Scheinverfahren, in denen alles gegen die Opfer gerichtet ist. In solchen
Verfahren beugt sich das Gesetz der Medizin; all das, wofür Rechtsprechung
steht – verfassungsmäßige Garantien, Anzweiflung bloßer Behauptungen, Forderung
nach Fakten und Beweisen –, wird den Ansprüchen der psychiatrischen Medizin
preisgegeben. AnwältInnen verneigen sich vor den PsychiaterInnen, die einzelne
Menschen »wahnsinnig« nennen. Der Verzicht auf die traditionelle gesetzliche
Verpflichtung zum Beistand ist umfassend.
Bedenken Sie, wie lange Strafverfahren dauern, wie
ausführlich dort Beweismaterial eingebracht wird. Denken Sie an die
Schwurgerichtsbarkeit, daran, wie lange es gedauert hat, das Prinzip der zwei
widerstreitenden Parteien zu etablieren, wie langsam und schrittweise
verfassungsmäßige Garantien und Bürgerrechte im 18. und 19. Jahrhundert
errungen wurden, die sich im 20. Jahrhundert über die ganze Welt verbreiteten.
Alles wird in den paar unkontrollierten Augenblicken eines
Unterbringungsverfahrens hinweggefegt.
Wie kommt es, dass der Staat über bestimmte Individuen eine
solch außergewöhnliche Macht besitzt? Wo und weshalb hat unser Schutzsystem
versagt? Es heißt, diese Personen seien von einer seltsamen, schrecklichen
Krankheit befallen, weshalb sie gewaltsam zu behandeln seien. Daher müsse das
Gesetz denen dienen, die sich mit dieser Krankheit auskennen. Gesetzliche
Bestimmungen seien erforderlich, um Zwang ausüben zu können. Doch die Befugnis,
diese Bestimmungen umzusetzen, liegt nicht beim Gesetz oder bei den
JuristInnen, sondern bei einer anderen Gruppe von Fachleuten, denen das Gesetz
zu dienen habe. Diese müssten ihre PatientInnen einsperren und ihrer
Entscheidungsfreiheit berauben, was den ersten Schritt zu ihrer Heilung
darstelle.
Lassen Sie uns den Begriff der Zwangsbehandlung einmal
näher betrachten. Warum wird behandelt? Wegen merkwürdiger Handlungsweisen, zu
lauten Redens, wegen Wut, Stress oder irrationalen Verhaltens, wegen Anstößigkeiten?
Offensichtlich beziehen wir uns hier auf das Gesetz, nicht auf die Medizin. Hat
diese Person einer anderen etwas zuleide getan, den Frieden gestört, jemanden
gewaltsam angegriffen? Zuständig hierfür ist die Justiz. Wie kam die Medizin
ins Spiel? Man sagt uns dann, es wurde zwar gegen kein Gesetz verstoßen, aber
die Nachbarn beschwerten sich, die Familie sei aufgebracht. Es könnte ein
Verbrechen geschehen. Unsere Gesetze erlauben es nicht, jemanden vorsorglich zu
verhaften oder einzusperren. Es könnte ein Verbrechen geschehen … aber
tatsächlich wurde keines begangen. Stattdessen geht es um anstößiges Verhalten,
lediglich allgemein beschrieben, nicht einmal mit eigenen Augen gesehen. Die
Person ist nicht kriminell, sondern Opfer einer seltsamen Krankheit, die nur
gegen den eigenen Willen geheilt werden kann. Welche Krankheit könnte es je mit
sich bringen, dass die betroffene Person nicht selbst den Wunsch hat, behandelt
zu werden? Im Bereich der somatischen Medizin ist Zwangsbehandlung nicht zulässig;
das übliche Verhältnis zwischen Arzt und Patient basiert auf übereinkunft,
Kooperation, Unterstützung und Trost. Wesentliches Merkmal einer solchen
Behandlung ist die Freiwilligkeit. Die Idee der Zwangsbehandlung ist derart
absurd, ist medizinisch, juristisch und moralisch derart schwer zu
rechtfertigen, dass man sich auf geheimnisvolle Umstände berufen muss.
Dem übeltäter bzw. der übeltäterin soll ein Behandlungsplan
aufgezwungen werden. Es gibt ›interessierte Parteien‹ und Angehörige, die ein
persönliches Interesse an Kontrolle haben und die für ihr feindseliges Vorgehen
gegen den einzelnen auffälligen Menschen sozialen Konsens sowie Billigung und
Beistand anstreben. Sie brauchen nur zum Telefon zu greifen. Die Gesellschaft
ist dafür gerüstet, einen Menschen zu ergreifen und einzusperren, zu bestrafen
und all seiner Rechte zu berauben. Aber noch bedarf es einer ›vernünftigen‹
Erklärung, eines Etiketts, einer Anklage, die ins Gewicht fällt. Verrücktheit
genügt all diesen Anforderungen, ebenso wie Ketzerei oder politische
Subversion. Gedankenverbrechen.
Zuständig hierfür ist heutzutage die Psychiatrie; sie ist
der ausführende Arm sozialer Gewalt, ausgestattet mit staatlichen und
polizeilichen Machtmitteln, mit Schloss und Riegel, Psychopharmaka und Folterinstrumenten.
Sie verkörpert eine bestimmte Vorstellung, nämlich die Annahme, das Individuum
sei Träger einer unsichtbaren Krankheit oder erblichen Belastung, die zwar
pathologisch nicht nachweisbar ist, aber von ExpertInnen aufgespürt und unter
Anwendung von Zwang geheilt werden kann. Durch allgemeine Zustimmung, Werbung
und Propaganda gewinnt diese Vorstellung Oberhand; das Ansehen der Wissenschaft
lässt sie glaubwürdig erscheinen, und die Staatsgewalt mit der überwältigenden
Fülle ihrer Zwangsmittel legitimiert sie.
Die Psychiatrie, die sich selbst als Teilbereich der
Medizin bezeichnet, wird zwangsläufig zum Mittel außergesetzlicher sozialer
Kontrolle und staatlicher Macht, mit Befugnissen, die das Recht und all seine
Garantien für das Individuum außer Kraft setzen, vielleicht sogar dem Gesetz
widersprechen. Die garantierten Rechte, Ergebnis einer Jahrhunderte währenden
Entwicklung, werden in bestimmten Fällen aufgehoben. Der Staat erlaubt der
Familie, ihr Objekt der Unterdrückung selbst zu wählen. Als Bevollmächtigte des
Staates bedient sich die Familie wiederum der Psychiatrie, denn das letzte Wort
hat der Psychiater. Wollen Sie eine Verwandte einsperren, so müssen Sie immer
noch einen gefälligen Arzt finden – letztlich entscheidet er. Die Tatsache
jedoch, dass Familien ein Opfer präsentieren können, ist allein schon
erstaunlich, eine informelle soziale Kontrolle.
Wir alle glauben doch an diese geheimnisvolle Macht, diese
Krankheit, diese psychische Störung. Es kann passieren, dass Ihr Verstand
einfach aufgibt, Ihre Gefühle Sie überwältigen, Sie einer konstitutionellen
Schwäche unterliegen. Unsichtbare Kräfte zwingen Sie in die Knie. Und der
Glaube ist alles. Glaube versetzt Berge. Man muss ihn nur ausweiten und
propagieren, institutionalisieren, finanzieren, bürokratisieren, in einen
blühenden Industriezweig verwandeln – Spender von Hunderttausenden von
Arbeitsplätzen und ›Diensten‹.
Das System würde ohne Zwang nicht funktionieren. Wie jedes
System sozialer Kontrolle basiert es letztlich auf roher Gewalt. Es gründet
auch auf einer Ideologie. Hier ist die Ideologie – das medizinische Modell
psychischer Krankheit – eine Perversion von Vernunft und Wissenschaft. Viele
PsychologInnen und PsychoanalytikerInnen stimmen vermutlich der Auffassung zu,
dass es sich beim medizinischen Krankheitsmodell um eine irreführende Analogie
handelt, denn sie gehen davon aus, dass psychisches Leiden von Konflikten des
Individuums mit seinem Umfeld herrührt, ob sie nun durch die persönliche
Geschichte oder die gesellschaftlichen Verhältnisse bedingt sind. Mit anderen
Worten, das Leben ist nicht leicht. Der Tod ist nur schwer zu verkraften,
ebenso Trauerfälle, das Ende einer Liebe, vergebliche Liebesmüh, schwere
wirtschaftliche Zeiten, Verlust des Arbeitsplatzes, verpasste Chancen, die
verbitternde Anhäufung von Enttäuschungen aller Art. Dies ist ein
Wirklichkeitsmodell, welches von Tatsachen ausgeht.
Das medizinische Modell dagegen hat keinerlei Bezug zu
irgendeiner Realität, es ist nicht einmal medizinisch, obwohl es vom Ansehen
der Körpermedizin profitiert und die Existenz physischen Leidens nutzt, um uns
an der Nase herumzuführen und einen allgemeinen gesellschaftlichen Konsens zu
erzwingen, legal oder am Gesetz vorbei. Letzten Endes handelt es sich um einen
gesellschaftlichen Mythos, der über den Akt des Unterbringungsverfahrens sowohl
dem Staat als auch der Psychiatrie enorme Macht überträgt.
Es gibt kaum Länder, in denen nicht formell oder informell,
öffentlich oder privat die Vorstellung von der Existenz psychischer Krankheit
und deren Pendant der psychischen Gesundheit Bausteine des Glaubenssystems
geworden sind. Psychische Krankheit ist ein Haushaltstitel der Regierung, ein
Ministerium, eine Verwaltungsabteilung, eine Unterabteilung jeder Bürokratie
auf bundesstaatlicher, Länder-, Kreis- und kommunaler Ebene.
Einige Menschen stellen sich vor, dass psychische Krankheit
wie eine Lungenentzündung diagnostiziert werden kann, epidemisch wie AIDS
auftritt und wie Krebs potentiell erkennbar und irgendwann auch heilbar sein
wird. Unsere gemeinsame überzeugung von der Existenz psychischer Krankheit ist
mysteriös und wunderlich. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts und nach mehreren
Jahrhunderten wissenschaftlicher Entdeckungen und dem Triumph
wissenschaftlicher Erkenntnisse bleibt sie durch und durch glaubensbedingt und
unwissenschaftlich. Wir glauben einfach daran, ohne jeden Beweis für das, was
wissenschaftlich unter Krankheit zu verstehen ist. Damit meine ich die
Pathologie. In der Medizin gibt es keine Störung oder Erkrankung ohne Pathologie,
und pathologische Veränderungen sind etwas, was beobachtet und nachgewiesen
werden kann. Körpermedizin und Wissenschaft überhaupt beruhen größtenteils auf
Beweisen. Es gibt Erreger, es gibt Bluttests, es gibt Antikörper, es gibt
Schwellungen und Körperflüssigkeit, es gibt ödeme und Zelldeformation. Es gibt
Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems, deren Existenz nachgewiesen
werden kann: Tumore, Lähmungen, Alzheimerkrankheit, Chorea Huntington. Dies
sind wirkliche Krankheiten, tatsächlich nachweisbar.
Wenn wir jedoch von psychischer Krankheit sprechen, meinen
wir eine Vielzahl sogenannter Krankheiten, für die keine pathologischen
Vorgänge nachgewiesen sind, auch wenn man schon über hundert Jahre an sie
glaubt. Schizophrenie ist die bedeutendste psychische Krankheit, gefolgt von
manisch-depressivem Irresein. Gleichzeitig ist man sich selbst unter
Psychiatern über deren eigentliche Existenz nicht immer einig. Und innerhalb
der klassischen Psychologie fällt der Nachweis von Krankheiten oder Störungen
auch nicht leichter, denn es gibt in der Psychologie kein Verfahren, mit dem
man Krankheiten nachweisen kann. Es gibt nur das Verhalten.
Jemanden für psychisch krank zu erklären, weil er bzw. sie
auf eine bestimmte Art handelt oder sich verhält, ist etwas völlig anderes, als
eine Krankheit festzustellen, für die es physiologische Anhaltspunkte gibt.
Verhalten als Indiz für eine Krankheit ist kein objektiver Tatbestand – es ist
darüber hinaus auch deswegen subjektiv, weil Verhalten eine Sache von
Beobachtung und Interpretation ist. Kurz gesagt, was für den einen Menschen
verrückt ist, ist für den anderen erklärbar, ja sogar vernünftig. Was dem einen
abscheulich ist, hält der andere lediglich für schlechte Manieren, und ein
Dritter mag das Verhalten sogar witzig finden. Das Urteil hängt davon ab, wer
beobachtet, mehr noch von der Haltung, die der Beobachtung zugrunde liegt:
Eigennutz, Boshaftigkeit, ein Hang zur Zwangsausübung, Wut, Missbilligung, das
Bedürfnis andere zu kontrollieren, zu strafen, zu erniedrigen.
Mit der Lungenentzündung ist es anders: Wir haben sie oder
wir haben sie nicht. Und wenn wir sie haben, wollen wir eine Behandlung. Wenn
wir beschuldigt werden, psychisch krank zu sein, stehen wir unter Anklage, sind
Opfer einer Verleumdung, sind in Verteidigungsposition und unfähig, uns selbst
zu verteidigen gegen einen Vorwurf, dessen pure Existenz unsere Schuld beweist.
Anders bei der Lungenentzündung: niemand wird vorgeladen, um die Erkrankten vor
Gericht anzuklagen und einen Richter davon zu überzeugen, dass die PatientInnen
schuldig sind, da sie voller Keime stecken. Wir werden nicht isoliert und vor
FreundInnen gedemütigt, verlieren nicht die Arbeit und das Sorgerecht für die
Kinder. Lungenentzündung tut keinem Menschen so etwas an.
Die Vorstellung von psychischer Krankheit ist simpel: Man
nehme psychisches Leid als Beweis für eine Krankheit, auf die nur eine
hochspezialisierte und gutbezahlte Gruppe von Heilern – fast schon eine
Priesterschaft – einwirken kann. Und man sei nicht sparsam mit drastischen
Maßnahmen. Man benutze Psychopharmaka, Grausamkeit und Schrecken, Einkerkerung
und elektrischen Strom für das Gehirn. Bloße Gesprächstherapie ist zu einfach,
so wie auch Gespräche, Freundschaft oder Beratung zu primitiv sind, braucht man
dazu doch weder Rezept noch Lizenz.
Menschliches Elend, Ungewissheit, Lebenskrisen, die
schmerzhaften Prozesse, durch die wir uns voneinander trennen, wachsen, Neues
schaffen, uns verändern oder Entscheidungen treffen … all das sind Zeiten der
Verwundbarkeit. Von Seiten unserer Umwelt oder aus unserem Inneren regt sich
Widerstand. Wir sind uns unserer selbst unsicher, als Mann oder als Frau, als
Liebende, Bruder oder Schwester, Kinder oder Eltern; wir können verwirrt sein,
überwältigt, beschämt, eingeschüchtert, geschwächt oder erniedrigt. Ganz
besonders dann, wenn wir davon überzeugt wurden, die eigenen Gefühle,
Reaktionen und Beweggründe nicht zu kennen, die eigene Urteilskraft
unzuverlässig und unsere psychischen Prozesse falsch zu finden. Dann erkläre
man das Menschsein an sich zum medizinischen Problem, definiere die Psyche als
eine Abfolge von mysteriösen Unwägbarkeiten und behaupte, es handle sich um ein
chemisches Konstrukt von unsicherem Gleichgewicht, um ein Rätsel, dem wir
ausgeliefert sind. Nur die Psychiatrie kann diese instabile Mixtur in Ordnung
bringen – mit Psychopharmaka, deren Wirkungsweise nicht einmal die Doktoren
verstehen, von denen sie aber behaupten, dass sie uns nicht schaden.
Wir haben es hier mit Stigmatisierung und Zwang zu tun, mit
Staatsgewalt und Kontrolle und mit multinationalen Pharmakonzernen, die
bereitstehen, ihre Profite aus der Zwangsverabreichung psychiatrischer
Psychopharmaka an die Opfer dieser mysteriösen Krankheiten zu ziehen, und zwar
sowohl wenn diese gegen ihren Willen eingesperrt sind als auch nach deren
Entlassung, die in Wahrheit nur vorübergehend und auf Probe ist. Freiheit,
Leben, Nahrung, Obdach und Beschäftigung hängen allesamt davon ab, ob sich ein
Mensch unterwirft und durch die Psychopharmaka stigmatisieren und zu einem Behinderten
machen lässt.
Mit diesen Psychopharmaka ist weniger Medizin gemeint, eher
Medikation. Diese stellt ruhig, stumpft ab, macht träge oder hektisch,
vermindert oder erzeugt Stress, stört die Konzentrationsfähigkeit und verzerrt
die Wahrnehmung, verhindert vernünftiges Denken. Sie tut das, was
Psychopharmaka eben tun: sie entstellen, aber sie heilen nicht, wie auch, wenn
gar keine Krankheit vorliegt. Psychische und emotionale Belastungen und
Beschwerden sind nun mal natürliche Bestandteile des menschlichen Lebens und
keine Krankheitssymptome.
Peter Breggin (1990) hat eine umfassende Darstellung von
Forschungsarbeiten über Schädigungen publiziert, die durch Neuroleptika wie
Haloperidol (im Handel u. a. als Haldol, Haloper, Sigaperidol),
Chlorpromazin (im Handel u. a. als Chlorazin, Propaphenin), Thioridazin (im
Handel u. a. als Melleril) oder Fluphenazin (im Handel u. a. als
Dapotum, Lyogen, Lyorodin) verursacht werden – Psychopharmaka, die
PatientInnen ›freiwillig‹ nehmen sollen, wenn sie ihre Sozialunterstützung
nicht verlieren wollen. Breggin beschäftigte sich mit den Auswirkungen solcher
Substanzen auf die höheren Hirnfunktionen, außerdem fasste er Untersuchungen
des Hirngewebes sowie Tierstudien zusammen. Er fand heraus, dass
neuroleptikabedingte Hirnschäden häufig durch die Wirkung der Psychopharmaka
selbst kaschiert werden und daher erst während des Entzugs, wenn der Schaden
bereits irreversibel ist, zum Vorschein kommen. Das kann zu lebenslanger
Neuroleptika-Einnahme führen. Breggin beschreibt auch, wie psychiatrische
Psychopharmaka das Gehirn gewissermaßen schrumpfen lassen und über die
kurzfristige Ruhigstellung und Behinderung intellektueller Prozesse hinaus
bleibende kognitive (die Denkfähigkeit betreffende) Defizite
verursachen. Er nennt die seuchenartige Ausbreitung der neuroleptikabedingten
tardiven Dyskinesien (oft irreversible Bewegungsstörungen) eine physisch
bedingte »iatrogene (vom Arzt verursachte) Tragödie« und appelliert an
die ärzteschaft, die Verantwortung für die Schädigungen zu übernehmen, die
Millionen von Menschen in der ganzen Welt erleiden. Neben Stoffwechsel- und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei neu entwickelten Clozapin (im Handel u.
a. als Clopin, Elcrit, Lanolept, Leponex)-artigen (›atypischen‹)
Neuroleptika wie Zyprexa (Wirkstoff Olanzapin) oder Sertolect (Wirkstoff
Sertindol) insbesondere mit tardiven Psychosen zu rechnen: der
Verschlechterung oder Chronifizierung von psychotischen Zuständen als Resultat
behandlungsbedingter Rezeptorenveränderungen – ein Schaden, auf den Robert
Whitaker (2002, S. 253 – 286) und Peter Lehmann (1996, S. 99 – 104; 2003)
aufmerksam machen.
Im Gegensatz zum medizinischen Modell respektiert das
humanistische und psychologische Modell die Menschenrechte, insbesondere im
Hinblick auf Einweisung und Zwangsbehandlung. Aber dieses Modell ist in unserer
Gesellschaft nicht gebräuchlich.
So gesehen wirkt das medizinische Modell sowohl
niederträchtig als auch töricht. Es ist eine Laienreligion, aber auch eine
massive Bedrohung unserer Rechte ebenso wie unserer Fähigkeit, mit Logik und
Verstand solch komplizierte Dinge wie Medizin und Krankheit zu betrachten. Das
medizinische Modell lehrt die ursächliche Vorbestimmtheit allen Geschehens:
Freiheit und Verantwortung, gut und böse, Wahlmöglichkeit und Vernunft werden
von ihm ausgelöscht. Das hat enorme politische Auswirkungen. Wir werden geführt
und kontrolliert. Wir werden auf Linie gebracht, korrigiert und geleitet von
Sozialbürokratien, der gewaltigen Kreatur der Staates, Anstalten,
gemeindepsychiatrischen Einrichtungen oder privaten Kliniken.
Hinter den Vorstellungen von psychischer Gesundheit und
psychischer Krankheit steckt eine gigantische Industrie mit Hunderttausenden
von Arbeitsplätzen, mit Zuschüssen und Ausgaben, Doktoren, Krankenschwestern
und -pflegern, ein totales überwachungssystem mit geschlossenen Abteilungen und
entsprechenden Hilfsmitteln, Sicherheitspersonal und technischen Vorrichtungen,
Herstellerfirmen von Gerätschaften für Fixierung, überwachung und
Elektroschocks; schließlich ist da noch die Pharmaindustrie selbst, zusammen
mit der Rüstungsindustrie weltweit der größte und ertragreichste
Industriezweig. Im Umfeld gibt es Tausende von Zulieferfirmen, Zeitschriften
und Bildungseinrichtungen, die Anerkennungs- und Beglaubigungsbürokratie, Aktenverwalter
und andere Büroangestellte, Tagungsstätten und Ausbildungszentren,
Bauunternehmer und Wartungspersonal, die ganzen Ausstattungsfirmen und
Geldgeber, Versicherer und schließlich Rechtsberater und Buchhalter.
Ständig ertönt der Ruf nach mehr Geld, nach mehr Forschung
zu psychiatrischen Krankheiten, nach mehr Einrichtungen zur Unterbringung und
Absonderung, nach größerem Spielraum bei Einweisung und geschlossener
Unterbringung. Gleichzeitig wird mit erbärmlicher Heuchelei die salbungsvolle
Bitte vorgetragen, doch mehr Toleranz und Verständnis aufzubringen, wobei noch
weitergehende Krankheitsvorstellungen gezimmert werden, dass wir alle mehr oder
weniger Keime psychischer Krankheit in uns tragen und einer immer umfassenderen
und tiefgreifenderen Behandlung bedürfen.
In all dem stecken so viel Geld und Macht, Arbeitsplätze
und Karrieren, dass die Kirche mit ihren sozialen Normen als mächtigste
Einrichtung zur Kontrolle der Gesellschaft in den Schatten gestellt wurde.
Darüber hinaus sind die psychiatrischen Kriterien gesetzlich abgesichert und
juristisch durchsetzbar; das heißt im Unterbringungsverfahren geht es um
Freiheit und Gefangenschaft. Dies gilt auch für die Psychiatriegesetze und die
Vormundschaft, heute ›Betreuung‹, die einem Individuum die Fähigkeit abspricht,
selbstständig persönliche Entscheidungen zu treffen. Alles, was sein weiteres
Schicksal betrifft, wird von Dritten entschieden. Eine Person, die der
psychischen Krankheit überführt wurde, existiert rechtlich nicht mehr, ihr
selbstständiger Status und ihre persönliche Identität sind ausgelöscht: Das
betrifft alle Bereiche der Lebensgestaltung und des Selbst.
Der Glaube an eine eingebildete, trügerische Krankheit ist
fest verankert. Die sozialen Kontrollmöglichkeiten sind – zufällig oder absichtlich
– derart überwältigend, dass ihr Missbrauch nicht etwa ungewollt ist, sondern
bewusster Bestandteil des Konzepts. Ergebnis und tatsächlicher Zweck ist die
Schaffung zwanghafter sozialer Konformität. Sogar die Inquisition verblasst
neben solchen Erfindungen. Es ist nicht leicht, an den Terror heranzureichen,
der von elektroschockbedingten Krampfanfällen, von Vierpunktfixierungen und
massiven Spritzen verstandestötender Psychopharmaka ausgeht. Dieses System
ermöglicht die Anwendung totalen Zwangs und schafft völlige Hilflosigkeit.
Natürlich ummanteln soziale Institutionen im Allgemeinen
solche Aktivitäten. Normalerweise sind sie in das Alltagsleben integriert,
werden als gegeben hingenommen, als unvermeidbar oder nützlich akzeptiert, als
allgemeiner Bestandteil unserer Zivilisation oder gar als Erlösung. Bedenken
Sie die Macht und die Struktur der staatlichen Psychiatrie, einer Einrichtung,
deren Geltungsbereich, Größe und Komplexität, Ausweitung und Effizienz von
internationalem Zuschnitt ist. Bedenken Sie den Einfluss der Psychiatrie in
Schulen und Universitäten, in unserem gesamten Beschäftigungssystem, ihren
Einfluss auf alle Fragen unserer Gesundheitsversorgung, auf das
Wohlfahrtssystem, auf öffentliche Hilfe, staatliche Subventionen, auf das private
Miteinander. Vor allem aber bedenken Sie die kulturelle Akzeptanz und die
gesellschaftliche Anerkennung der Psychiatrie, die hehren Ziele der ›helfenden
Berufe‹, laut sozialem Konsens höchst ehrenwerte und von größter Nächstenliebe
geprägte Ziele. Ist deren Mission nicht göttlich, nicht heilig, dann wenigstens
vornehm und edel, eine Offenbarung wissenschaftlicher Wahrhaftigkeit, unsere
moderne weltliche Religion. Wenn es sich auch um eine Pseudowissenschaft
handelt: der Wunsch, daran zu glauben, hat die Suche nach Fakten und Beweisen
ersetzt. Behauptungen werden als Tatsachen akzeptiert.
Wie kann eine Einbildung die Macht des Faktischen erlangen?
Dadurch, dass die Beherrschten an sie glauben und sie billigen. Wie jeder
Aberglaube hat auch dieses System aus Gedankenkonstrukten enorme Macht. Aber da
es auf Panzerglas, Schlüsseln und Polizeigewalt beruht, wäre diese Macht auch
existent, wenn wir nicht an sie glaubten. Trotzdem bekommt sie durch unseren
Glauben noch größeren Einfluss. Gottgleiche Macht hat sie gehabt für uns, die
wir physisch und psychisch ihre Gefangenen waren.
Wir sind überlebende eines der übelsten
Unterdrückungsapparate, die je entwickelt wurden, seine Opfer ebenso wie seine
KritikerInnen. Wir müssen die Wahrheit erzählen und klarstellen, dass
psychische Krankheit ein Phantom ist, sowohl intellektuell als auch
wissenschaftlich, aber auch ein System zur sozialen Kontrolle von noch nie da
gewesener Gründlichkeit und Allgegenwart. Es ist unsere Aufgabe, dieses Phantom
als solches bloßzustellen und uns alle zu befreien – denn wir alle werden vom
Phantom psychische Krankheit eingeschüchtert, eingeschränkt und unterdrückt.
Wir setzen Vernunft gegen Irrtum und Aberglauben, Phantasie gegen Anpassung und
Unterdrückung. Was für ein Glück, an einem solchen Kampf für Freiheit und
Menschenrechte teilzuhaben.
Literatur
Breggin,
P. R.: »Brain damage, dementia and persistent cognitive dysfunction associated
with neuroleptic drugs: Evidence, etiology, implications«, in: Journal of Mind
and Behavior, Bd. 11 (1990), S. 425 – 463
Lehmann, P.: »Schöne neue Psychiatrie«
Bd. 1: »Wie Chemie und Strom auf Geist und Psyche wirken«,
Berlin: Antipsychiatrieverlag 1996
Lehmann, P.: » :Atypische 9 Neuroleptika, typische
Unwahrheiten«
in: Pro Mente Sana Aktuell, 2003, Nr. 1, S. 16 18; online
unter http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/atypische.htm
Whitaker,
R.: »Mad in America«,
Cambridge: Perseus Publishing 2002
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Stamp und Rainer Kolenda
Fußnote
(1) Dieser Artikel basiert auf einer Vorlesung zum Thema
Justiz und Medizin, die Kate Millett 1992 an der Juristischen Fakultät der Law
of Queen’s University of Kingston, Ontario/Kanada, hielt. Kate Millett
überarbeitete ihre Vorlesung und veröffentlichte sie unter dem Titel »Legal
rights and the mental health system« im Queen’s Law Journal, Bd. 17 (1992), Nr.
1, S. 215 – 223. Diese Version ist eine gekürzte und aktualisierte Fassung.
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